22.Januar2010
Die Linke Liste im Akafö
Für mehr als Bed & Breakfast
Seit ihrer Gründung engagiert sich die Linke Liste im Bochumer Studentenwerk AKAFÖ. Das Studentenwerk betreibt 24 Mensen und Cafeterien in vier Städten, bietet ca. 4300 Wohnheimplätze an, bearbeitet die BAföG-Anträge. Neben diesen Kernleistungen fast aller deutschen Studentenwerke bietet das AKAFÖ aber etwas Besonderes: Das AKAFÖ betreibt zusätzlich eine Beratungsstelle für ausländische Studierende, die nicht durch ein DAAD-Projekt betreut werden, unterstützt mit qualifizierten Beratungs- und Serviceangeboten Studierende mit chronischen Krankheiten und Behinderungen, ermöglicht Eltern mit einem Familienzentrum Kinder und Studium zu verbinden. Das bundesweit einmalige Kulturbüro boskop bietet ein reichhaltiges Kulturprogramm. Insgesamt unterstützt das AKAFÖ 50.000 Studierende mit Service-Leistungen rund ums Studium.
Zum Jahrtausendwechsel stand das AKAFÖ nahe am Abgrund. In den Wohnanlagen stauten sich Sanierungsarbeiten, die Cafeten versprühten den Charme der 60er Jahre, die Mensa war in die Jahre gekommen und durch unvorstellbare Fehler in der Geschäftsführung waren die vormals gut gefüllten Rücklagenkonten geleert. In dieser Situation löste die Linke Liste zusammen mit ihren Koalitionspartnern die bis dahin im Verwaltungsrat dominierenden Jusos ab. Seit 2001 stellt die Linke Liste im höchsten Gremium des AKAFÖ den Vorsitz. Zusammen mit dem neuen Geschäftsführer Jörg Lüken sorgten wir dafür, dass das AKAFÖ wieder in ruhiges Fahrwasser kommt. Seitdem wurden in Mensen und Cafeterien 50 Millionen Euro investiert, davon knapp 40 Millionen allein in der Mensa. In den Wohnheimen wurden Sanierungsarbeiten im Wert von über 40 Millionen Euro durchgeführt. Das Akademische Förderungswerk war eines der ersten Studentenwerke, das in den Wohnheimen eine schnelle Internetverkabelung installierte, 98 Prozent seiner MieterInnen ein TV-Programm aus dem Heimatland bereitstellte und zusammen mit den MieterInnen für die Integration ausländischer Studierende sorgt.
Unterstützung!?!
Die Leistungen, die das AKAFÖ besonders machen, liegen der Linken Liste auch besonders am Herzen. Das Land sieht das anders, denn jahrelang stagnierte der Zuschuss zur Arbeit der Studentenwerke. 2005 kürzte die CDU/FDP-Landesregierung diesen sogar im laufenden Jahr um 20 Prozent. Beratungsangebote und Boskop werden gar nicht durch das Land unterstützt. Wir sind davon überzeugt, dass diese Leistungen für viele Studierende unverzichtbar sind und haben den Anträgen auf Erhöhung des Sozialbeitrags deshalb auch zugestimmt. Dies war jedoch immer verbunden mit einer Steigerung der Leistungen und der Effizienz des Studentenwerks.
Effizienz made by AKAFÖ
Schlanke Verwaltungen sind im öffentlichen Dienst häufig lediglich ein Schlagwort. Wir haben darauf gedrungen, dass Worten Taten folgten. In Bereichen, die nicht direkt dem Studierendenservice dienen (Rechnungswesen und Hauptverwaltung zum Beispiel), wurden Stellen abgebaut und dorthin verlagert, wo die Studierenden sie brauchen, z.B. in die Studienfinanzierungsberatung. Dabei ist aber auch klar, dass das AKAFÖ ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommt, denn es ist ein sozialer Arbeitgeber. Er bezahlt seine Angestellten nach den Regeln des öffentlichen Dienstes und liegt damit aber auch in den Personalkosten über denen eines Arbeitgebers im Gastronomiegewerbe.
Wenn ihr wollt, dass wir diese erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem AKAFÖ weiter fortsetzen, wählt Liste 10!
19.Januar2010
Technik und Gesellschaft
Impulse für Morgen
Wenn man die Frage, was man denn studiere, mit einer der ingenieurswissenschaftlichen Disziplinen beantwortet, bekommt man oft zu Gehör, dass man ja etwas solides, zukunftssicheres studiert. Die Berufsaussichten könnten nicht besser sein, hört man dann. Man brauche sich keine Sorgen, gleichbedeutend mit keine Gedanken, machen!?
Ingenieur (Abk.: Ing., ital. → franz. von mittellatein. ingenium (Kriegsgerät) und ingeniarius (Zeugmeister, später Festungsbaumeister))
Das war einmal. Die Wirtschaftskrise brach aus und die Wirtschaft ein. Aufträge gingen massiv zurück und Stellen wurden zu zehntausenden gestrichen. Für 2010 sehen die Aussichten nicht viel besser aus. Plötzlich ist auch die/der IngenieurIn von einer der vielen kapitalistischen Krisen auf den Boden zurückgeholt worden. Uns IngenieursstudentInnen wird eingebläut, dass man gerade in solchen Zeiten durch ein Mehr an Qualifikationen seinen Wert steigern solle. Doch wäre es nicht sinnvoller, stattdessen diese Zeit damit zu verbringen, der Ursache der Krise auf den Grund zu gehen? Wäre es nicht besser, einmal zu klären, ob es nach dem Abschluss vertretbar ist, Arbeit bei Rüstungsbetrieben, Chemiekonzernen oder Unternehmen, die Diktaturen beliefern, anzunehmen? Ist technischer Fortschritt immer ein Segen oder doch manchmal Fluch, der um jeden Preis verhindert, statt blind verwirklicht werden sollte?
"Sollen sich auch alle schämen, die gedankenlos sich der Wunder der Wissenschaft und Technik bedienen." (Albert Einstein)
Technologie ist aus unserer Gesellschaft nicht wegzudenken, sondern prägt sie vielmehr nachhaltig. Technik und Gesellschaft sollten somit auch zusammen begriffen werden. Deshalb setzt sich die Linke Liste für eine emanzipatorische Wissenschaft ein, die den Menschen in seinem gesellschaftlichen Zusammenhang begreift. Das spricht nicht gegen eine fundierte ingenieurwissenschaftliche Ausbildung; die Loslösung vom Zweck der angewandten Wissenschaft, degradiert aber die technologischen Kenntnisse zum Mittel für womöglich falsche Ziele. Wir plädieren für ein Studium, das den Blick über den Tellerrand belohnt, anstatt die Studierenden mit der bloßen Technik allein zu lassen.
19.Januar2010
So nicht, GenossInnen!
Die Polizeiauto-Affäre und der Wahlkampf
Am 15. Januar haben Unbekannte das Polizeiauto der Fernsehpolizisten „Toto und Harry“ auf dem RUB-Campus beschädigt. Die Juso-Hochschulgruppe versucht nun, aus der Sachbeschädigung Kapital für den Wahlkampf zu ziehen. Dabei setzen die Jusos nicht nur auf Übertreibungen, sondern auch bewusst auf Falschinformationen.
Die Vorwürfe richten sich zwar vor allem gegen die Grüne Hochschulgruppe, die derzeit den AStA-Vorsitzenden stellt. Trotzdem möchten wir als Linke Liste die Vorgänge kommentieren. Ein kontroverser Wahlkampf ist in Ordnung – nicht in Ordnung ist aber der Versuch, all jene auf dem Campus für dumm zu verkaufen, die sich nicht täglich mit Hochschulpolitik beschäftigen.
Jusos fälschen Zitat
„Der AStA dreht durch!“ behauptet die Juso-Hochschulgruppe auf einem aktuellen Flugblatt und unterstellt dem AStA-Vorsitzenden Karsten Finke (Grüne Hochschulgruppe) „gewaltverherrlichende Aussagen“. Was ist geschehen, dass die Oppositionsliste zu so harten Bandagen greift? Ein Artikel der Ruhr-Nachrichten berichtet, dass das Polizeiauto unter anderem mit Marmeladengläsern beworfen worden ist, die mit Farbe gefüllt waren. Gegen Ende des Artikels wird der AStA-Vorsitzende mit dem Satz zitiert: „Die Kritik am Besuch von Toto und Harry ist berechtigt – die Form, wie sie in diesem Fall geäußert wurde, natürlich nicht.“ Zwar waren auch wir davon überrascht, dass der AStA-Vorsitzende öffentlich und ohne weitere Informationen Mutmaßungen über die Hintergründe der Sachbeschädigung anstellt. Aber fest steht: Mit „Gewaltverherrlichung“ hat das Statement nun beim besten Willen nichts zu tun. Das wissen auch die Jusos – und haben sich deswegen ein weiteres Zitat einfach ausgedacht: Finke habe den Vorfall vor dem Hintergrund der studentischen Proteste im vergangenen Jahr als „nachvollziehbar“ bezeichnet, schreiben die JungsozialistInnen. Richtig ist: Ein solches Zitat von Karsten Finke gibt es in keinem Artikel zum Thema. Wir meinen: Einfach ein Pressezitat zu erfinden, das ist nicht nur unseriös, sondern geht entschieden zu weit.
Unsere Kritik sieht anders aus
Wer die Arbeit der amtierenden Studierendenvertretung ein wenig verfolgt hat, weiß: Der aktuelle AStA steht für vieles – für engagierte Interessensvertretung, für ein buntes Kulturprogramm und auch für die Unterstützung der kreativen studentischen Proteste im Rahmen des Bildungsstreiks. Wofür der AStA aber definitiv nicht steht, dass sind Sachbeschädigungen und Marmeladenglas-Angriffe. Wir verstehen, dass die Jusos nach Möglichkeiten suchen, die amtierende AStA-Koalition zu kritisieren. Aber der Versuch, den AStA aus wahltaktischen Gründen mit der Sachbeschädigung in Verbindung zu bringen, ist so fadenscheinig wie unredlich. In unseren Augen haben sich die Jusos damit leider erneut für eine verantwortungsvolle Studierendenvertretung disqualifiziert. Denn das mindeste, was man erwarten kann, wäre doch, dass sie nicht die Unwahrheit sagen. Das Auftreten der Jusos bestärkt uns in unserem Vorhaben, die erfolgreiche AStA-Koalition mit der Grünen Hochschulgruppe, der Alternativen Liste sowie der Liste ’Schöner Wohnen in Bochum’ nach Möglichkeit auch nach den Wahlen fortzusetzen.
18.Januar2010
Von Goldhagen bis Knopp
Erinnerungskultur in Deutschland
Das von Norbert Frei schon früh angesprochene Problem des Verschwindens der Zeitzeugen, gemeint war das „Aussterben“ derjenigen, die den Nationalsozialismus als Erwachsene miterlebt haben, nimmt zunehmend Gestalt an. Scheinbar schwindet mit den Zeitgenossen aber in der Öffentlichkeit auch die Masse der Täter, die sowieso nur kurze Zeit im „Rampenlicht“ standen. War in den Anfangsjahren der Bundesrepublik der Täterkreis schnell ausgemacht – verantwortlich seien Hitler und seine Führungsclique, wie Göring, Goebbels, Himmler und einige weitere, sowie die SS gewesen; von den Verbrechen der Wehrmacht zum Beispiel noch keine Spur –, klagten erstmals Studierende Ende der 1950er Jahre personelle Kontinuitäten von NS-Verbrechern an. Im später anlaufenden Streit zwischen Strukturalismus und Intentionalismus in der Geschichtswissenschaft kam es zu neuen und fruchtbaren Perspektiven des Verlaufs der faschistischen Herrschaft. Im Strukturbegriff sind aber oftmals die Täter aus dem Blick geraten unter der Verengung aller Erscheinungen auf strukturelle Bedingtheiten.
Die Goldhagen-Debatte
In den 1990er Jahren gab es zwei Anlässe, die die Täter - und zwar die Masse der Täter - in den Mittelpunkt rückten. Zum einen erschien 1996 Daniel Jonah Goldhagens Buch „Hitlers willige Vollstrecker“, das schon vor seinem Erscheinen in deutscher Sprache in den Feuilletons für mächtig Wirbel sorgte. Goldhagen geht in seiner Untersuchung der Frage nach, welche Rolle die „gewöhnlichen Deutschen“ bei der nationalsozialistischen Judenverfolgung spielten und welche Bedeutung dem Verhalten der breiten Bevölkerung bei der Vernichtung der Juden zukam. „Dass Goldhagen diese Fragen in den Mittelpunkt gerückt hat, ist ein bleibendes Verdienst“, konstatiert der Freiburger Historiker Ulrich Herbert – trotz aller Mängel, die Goldhagens Studie aufweist.
Die erste Wehrmachtsaustellung
Zum anderen startete 1995 die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“, besser bekannt als „Wehrmachtsausstellung“, ihre Rundreise durch die Republik. Auf weit über 1000 Fotografien dokumentierte sie die Beteiligung einfacher Landser an Kriegsverbrechen und der Vernichtung der europäischen Juden. Sie zerstörte damit nicht nur die Legende von der „sauberen Wehrmacht“, sondern zeigte auch, dass unzählige „gewöhnliche Deutsche“ an diesen Verbrechen beteiligt waren - und das keineswegs widerwillig. Diese Demontage des Mythos des ehrenhaften deutschen Wehrmachtssoldaten rief heftige Empörung und Proteste hervor. Nachdem die Ausstellung durch die fachlich korrekte Kritik an der falschen Zuordnung einiger weniger Fotographien in ihrer Gesamtaussage öffentlich diskreditiert worden war, wurde sie Ende 1999 zurückgezogen.
Die zweite Wehrmachtsaustellung
Rückten also Mitte der 1990er auch in der Öffentlichkeit die Täter der nationalsozialistischen Verbrechen und ihre Motive in den Mittelpunkt, verschwanden sie dort auch verhältnismäßig schnell wieder. Paradigmatisch ist hier die „überarbeitete“ Version der Wehrmachtsausstellung, die 2005 im Deutschen Historischen Museum Berlin eingemottet wurde. In der neu konzipierten und gestalteten Ausstellung fehlen die bezeichnenden Landserfotos vollständig, die Täter sind somit aus dem Sichtfeld entschwunden. So gab es an der neuen Ausstellung in der breiten Öffentlichkeit keine Kritik mehr. Denn an dem Faktum, dass die Wehrmacht an Verbrechen beteiligt war und sie teilweise selbst vorangetrieben hat, besteht für die Mehrheit der deutschen Bürger kein Zweifel. Die Verbrechen werden auf abstrakter Ebene also keineswegs mehr geleugnet oder verdrängt. Dass es eine spezifisch deutsche Verantwortung für die nationalsozialistische Vergangenheit gibt, wird weitestgehend nicht mehr in Frage gestellt. Doch gibt es beunruhigende Indizien, dass die „Täterforschung“ nur noch in den Archiven und historischen Bibliotheken dieser Republik geführt wird.
Harald Welzer, Sozialpsychologe an der Uni Witten-Herdecke, hat in seiner Untersuchung „Opa war kein Nazi“ festgestellt, dass der Großteil der Enkelgeneration über den Nationalsozialismus und seine Verbrechen gut informiert ist und diese auch keineswegs abstreitet oder leugnet. Trotzdem ist in der tradierten Familienerinnerung jeder Großvater und jede Großmutter irgendwie gegen den NS aufgestanden oder hat sich in die „innere Emigration“ zurückgezogen, war also an keinen Untaten beteiligt, im Grunde nicht mal Nazi. Doch gilt dies vor allem für den Bereich der persönlichen Erinnerung. In der öffentlichen Erinnerung hat das zunehmend funktionalisierte Erinnern an den NS-Faschismus und den Holocaust immer noch seinen Platz, doch verschwinden auch hier die Täter.
Guido Knopp, der TV-Historiker vom Dienst, verwischt in seinen vielgesehenen Geschichtsdokus die Grenzen zwischen Tätern und Opfern. SS-Schergen und besonders exponierte Personen werden deutlich als Täter gekennzeichnet, während die Masse der befragten Zeitzeugen nicht so leicht einzuordnen ist. Waren nicht letztlich alle irgendwie Opfer des größten Krieges der Menschheitsgeschichte - der Auschwitz entronnene Jude und überlebende russische Zwangsarbeiter ebenso wie der deutsche Wehrmachtsoffizier, der an Massenexekutionen teilgenommen hat? Und eben die Verdrängung der Opfer der deutschen Gräuel geschieht zu Gunsten der Viktimisierung der deutschen Bevölkerung. So wird die Bombardierung durch die alliierten Kräfte von Jörg Friedrich sprachlich in die Nähe des Holocaust gerückt und das "Leid der Vertrieben", u.a. in der aktuellen Debatte um Erika Steinbach, füllt die Feuilletons wie Fernsehkanäle.
18.Januar2010
Der Ostcampus - kritikfreie Zone?
Kritische Wissenschaft!?
Natürlich nimmt jede Wissenschaft für sich in Anspruch, kritisch zu sein, dass heißt sich inner- und interdisziplinär mit den eigenen Ansätzen und Methoden auseinanderzusetzen. Inwieweit dies, insbesondere für die Naturwissenschaften, gilt, zeigt sich im Aufbau der Studiengänge. Nicht zuletzt die Umstellung auf das Bachelor/Master-System hat eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Wissenschaft und dem eigenen Studium unmöglich gemacht. Lediglich der Optionalbereich hält eine kleine Tür offen für interdisziplinäre Studien. Jedoch entscheidet ein von den Studierenden unabhängiges Komittee welche Veranstaltungen im Rahmen des Optionalbereichs angeboten werden, bevormundet dadurch die Studierenden in ihrer Wahl, unterteilt also in sinnvolle und unsinnige interdisziplinäre Studien. So werden im Optionalbereich letztendlich nur von der Katholisch-Theologischen Fakultät interdisziplinäre Ethikvorlesungen im Bereich der Medizin und Wirtschaft angeboten.
"Was alle angeht, können nur alle lösen." Friedrich Dürrenmatt
Die Linke Liste hat sich in den letzten Jahren für die Förderung der kritischen Wissenschaft eingesetzt. Einerseits wurden über das Semester verteilt viele Veranstaltungen, Vorträge, Seminare und Filmvorführungen angeboten, welche darauf abzielten, kritische Positionen zu aktuellen Diskursen zu entwickeln und eine kritische Sicht auf die Gesellschaft darzustellen. Andererseits fordern wir im Rahmen einer Reformierung des BA/MA für jede Studentin und jeden Studenten die Möglichkeit ein, sich innerhalb des Studiums kritisch mit diesem und der Gesellschaft auseinandersetzen zu können. Diesen bereits angestoßenen Prozess weiterzuführen sehen wir als eines unserer Ziele in den kommenden Jahren an.
18.Januar2010
„Wir vertreten alle Studierenden“
Was die Jusos damit wirklich meinen
Die Hochschulgruppe der Jusos wirbt dieses Jahr damit, dass sie alle Studierenden vertreten würde. Diese nicht besonders kreative Losung, die man ansonsten vom konservativen RCDS und der Liberalen Hochschulgruppe kennt, suggeriert vor allem eines: dass der linke AStA angeblich nicht alle Studierenden vertritt.
Fakt ist aber: Kein Bochumer AStA investierte jemals mehr in Service- und Sozialleistungen, kein Bochumer AStA bot mehr Kultur auf dem Campus, und niemals zuvor wurde in Zusammenarbeit mit dem Akademischen Förderungswerk so viel zu einer Verbesserung der Wohnsituation beigetragen.
Wirklich alle Studierende?
Die Behauptung der Juso-Hochschulgruppe ist aus zwei weiteren Gründen unredlich. Zum einen verschweigt sie, dass jeder Interessenvertretung immer auch bestimmte Interessen und Themen besonders am Herzen liegen. Bei uns sind das die Bereiche bessere Studienbedingungen, alternative Kultur, Kritische Wissenschaften und Antifaschismus. Wir sind eine linke Liste und wollen selbstredend auch linke Projekte fördern – und weniger konservative. Wenn die Jusos ehrlich wären, würden sie es zugeben: Auch sie vertreten nicht alle Interessen und damit nicht alle Studierenden gleichermaßen. Das haben sie bereits in den Jahren 2005 und 2007 bewiesen, in denen sie sich jeweils mit Unterstützung des konservativen RCDS eine AStA-Mehrheit organisierten. Während dieser Zeit unterstützten sie gesellschaftskritische Initiativen nicht annähernd so tatkräftig wie wir. Den Haushaltstitel für die Veranstaltungsreihe des studentischen Arbeitskreises Rote Ruhr-Uni strichen die Jusos 2007 sogar ganz. Leider blieben aber auch die Dinge auf der Strecke, die wirklich für alle Studierenden gleichermaßen von Interesse gewesen wären: Selbst bei einfachen Serviceleistungen wie zum Beispiel beim Erstellen von aktuellen Info-Readern blieben die Jusos so gut wie inaktiv.
Mensa-Party
Obwohl, so ganz kann man das nicht sagen. Denn Geld ausgeben konnten die Jusos dennoch. So schanzten sie 2005 den Mitgliedern des konservativen RCDS insgesamt 28.000 Euro zu - in Form von bezahlten Praktika. Der RCDS tolerierte im Gegenzug den Juso-geführten AStA. 2007 gingen die Jusos dann sogar ganz offen eine Koalition mit der konservativen Hochschulgruppe ein und planten die „Große Mensaparty“. Das Resultat war die größte Pleite in der Geschichte der Bochumer Studierendenschaft: eine knappe Viertelmillion Euro Verlust, der den AStA an den Rand der Zahlungsunfähigkeit trieb. Wegen fehlender Ausschreibungen, verschwundenem Bargeld und nicht ordnungsgemäß abgeschlossenen Verträgen begann die Staatsanwaltschaft zu ermitteln. Inzwischen ist der damalige Juso-AStA-Vorsitzende Fabian Ferber wegen der Mensaparty vom Amtsgericht Bochum rechtskräftig der Veruntreuung für schuldig befunden worden. Die Mensaparty des Jahres 2007 bleibt dennoch ein Fall für die Gerichte: So sah sich der amtierende AStA gezwungen, vor dem Verwaltungsgericht Klage auf Schadensersatz einzureichen. Würde der AStA nämlich nicht versuchen, das veruntreute Geld von den Verantwortlichen zurück zu bekommen, würde er unserer Überzeugung nach selbst verantwortungslos mit den studentischen Geldern umgehen. Dennoch muss man kein Prophet sein, um vorherzusagen, was passieren würde, wenn die Jusos wieder den AStA stellen können, bevor der Prozess zu Ende ist: Sie würden die Klage wohl sofort wieder zurückziehen. Deshalb wollen wir unsere Arbeit in der Studierendenvertretung fortsetzen. Wir stehen für einen linken und engagierten AStA, der mit den studentischen Geldern verantwortungsbewusst umgeht – die Jusos tun dies nicht.
17.Januar2010
LiLi multilingual
Auch in diesem Jahr gibt es wieder unser mehrsprachiges Flugblatt! Again here is our multi-language flyer for the election of the student’s parliament!
Kurdî
Linke Liste (Listeya Cep) ji aliye Xwendavene Zaningeha Bochum hatiye damezirandin u em wek listeyek serbixwe alikariye canden alternav dikin u alikariya Antifashista, Antirassissta, Antiseksista dikin u zanina kritik li RUB dimeshinin. Em herwaha ji bo cikirina aboriyek ji bo hemu Xwendavananen a Zaningehine. Em alikariya hemu Xwendevanen biyanine e Ruhr-Universität dikin. Kursen zimane biyani, Shev u kiriyen Kulturi u alikariyen Xwendavana di nava programe da hene. Em dixwazin hemu Xwendavanen „ Cihana Siyemin“ di Zaningeha u Kampuseda cihe xwe bigirin. Ji bo wi yeke em alikari didin „Autonome AusländerInnenreferat - Referata Xwendevanen Biyani a Serbixwe“ Herwiha daxwaza me ji bo cekirina „Internationalismuswoche - Hefteya Nawnetewi“ li Zaningeheda heye. Em dixwazin hun di hilbijartine Parlamana Xwendavana a Zaningehe (18.-22.01.2010) da raya xwe bide Lista me u yek ji 29 Berendame me e Nawnetewi hilbijirin.
Viêt
Chúng tôi, Liên minh Cánh Tả, là một Liên minh không phụ thuộc vào một Đảng phái chính trị nào. Chúng tôi mang lại sự giao lưu văn hóa, hỗ trợ các hoạt động văn hóa, chống lại chủ nghĩa phát xít, chống phân biệt chủng tộc. Một trong những chính sách quan trọng của chúng tôi là quan tâm, hỗ trợ tới tất cả các sinh viên nước ngoài của trường Đại học Ruhr Bochum đến từ tất cả các quốc gia. Việc phải đóng học phí và Luật Lao động cho người nước ngoài hạn chế đã gây ra những khó khăn không ít cho rất nhiều bạn Sinh viên nước ngoài đặc biệt là các bạn đến từ những nước đang phát triển. Chính vì vậy, bên cạnh việc chống thu tiền học phí, chúng tôi sẽ tiếp tục hỗ trợ không giới hạn cho Ban đại diện sinh viên nước ngoài Autonome AusländerInnenreferat. Mỗi lá phiếu của các bạn dành cho một trong số các ứng cử viên của chúng tôi trong cuộc bầu cử StuPa từ ngày 18.-22.01.2010 lần này sẽ là nguồn cổ vũ rất to lớn cho nhưng mục tiêu thiết thực vì quyền lợi của các bạn mà chúng tôi đa, đang và sẽ thực hiện. Xin cám ơn sự ủng hộ nhiệt tình của các bạn!
Türkce
Linke Liste tüm Partilerden bagimsiz bir listedir ve Kampüste hertürlü alternativ Kültürlere yer verilmesinden yana olup, tüm bölüm ve fakültelere destek verir, ayrica Antisfasist, Antiirkcilik, Anticinsellik fikirleri savunur. Ayrica Üniversitede sorumlu bir bütce yönetimini destekler. Tüm yabanci kökenli Ögrencilerin-her nerden gelirse gelsinler- haklarini savunuruz. Yabanci dil kurslari, Kültürel etkinlikler, ayrica yabanci ögrenciler icin uygun Is Hukukunu savunuyoruz. Tüm „Ücüncü Dünya ülkerinden“ gelen ögrencilerin desteklenmesini ve yalniz birakilmamasini istiyoruz. Bu yüzden „Autonome AusländerInnenreferat“ a destek vermekteyiz. Kampüste yeniden uluslararasi haftasinin düzenlenmesini destekliyoru. Bu yilidi Ögrencimeclii secimlerinde (18.- 22.01.2010) bize oy vermenizi istiyoruz. Cünkü biz sizlerdeniz. Asagdaki yabanci kökenli ve sizden olan arkadaslarimizi secin.
Georgian
We are sorry, but due to technical issues the Georgian language version cannot be provided directly on our website. Nevertheless, it’s in the PDF-version of the flyer which you may download at the bottom of this page.
Русский
Linke Liste («Левый список») независимый от партий объединенный студенческий список. Мы поддерживаем альтернативную культуру, cтуденческие объединения и инициативы, а также проводим разностороннюю деятельность в сферах антифашизма, антирасизма, критики антисемитизма, антисексизма и критических науках. Кроме этого, мы выступаем за ответственное ведение студенческого хозяйства. «Левый список» вступается за интересы иностранных сдутентов Рурского Университета вне всяких национализмов. Сегодня коммерциализация учебы все более углубляется, тогда как право на трудовую деятельность иностранным студентам ограничено и им также по многим другим социальным причинам осложнен доступ в ВУЗы. Именно поэтому мы поддерживаем доступные курсы немецкого языка, также специальные консультаций и информационные и культурные мероприятия для иностранцев. Члены нашего списка работают в «Независимом реферате иностранцев» (Autonomes AusländerInnenreferat). Он предлагает курсы немецкого языка по доступным ценам. В студенческом правлений (AStA) мы проводим «Неделю интернационализма», которая посвящяется просветительстким мероприятиям и обмену между культурами. О других наших инициативах и деятельности ты можешь получить информацию из нашей газеты, в Интернете (www.lili-bochum.de) или просто у одного из наших стэндов. Поддержи нас и проголосуй за однго из наших кандидатов в выборах студенческого парламента (SP-Wahlen, 18.- 22.01.2010)!
English
The leftist list (LiLi) is a non-party-affiliated association that brings alternative culture to the campus, supports faculty student councils and initiatives and pushes things forward in anti-fascism, anti-racism, anti-sexism and critical sciences. Furthermore it stands for a conscious and solid handling of the student council’s budget. We, the LiLi-activists stick-up for the interests and needs of non-german students and those with migration-background – beyond all nationalisms.
Free access to language-classes, special consultancy and special informational- and cultural events by and for foreign students are a must in times of ongoing commercialization of education and increasing restrictions in labour regulation for non-germans, which result in an exclusion of students especially from so-called “third-world-countries”.
Because of these issues we support the autonomous department of foreign students (Autonomes AusländerInnenreferat) and stand for the re-introduction of the “Week of internationalism”, which aims for information and cultural exchange on the campus. You can support us by voting for the “Linke Liste” (leftist list, list 10) in this week’s elections for the student parliament. The voting boxes are located in the cafeteria of your faculty.
17.Januar2010
Von Nutzen und Nachteil des Geschichtsstudiums
„History, Stephen said, is a nightmare from which I am trying to awake.“ James Joyce, „Ulysses“
Geschichte wird gemacht!
Das Geschichtsstudium an der Ruhr-Universität bietet uns Studierenden so manches Ärgernis: Nicht nur müssen wir uns durch ein durch straff reglementiertes Studium plagen, welches kaum Möglichkeiten für freie Entscheidungen läßt. Auch kommen wir – dank VSPL – kaum in die Kurse, die wir uns aussuchen. Und die ungewünscht zugewiesenen Kurse sind dann zumeist letzten Endes doch überfüllt. Dazu tun die neuen Anmeldeformalitäten – hat irgendjemand deren Sinn verstanden? – ein Übriges und steigern den Ärger. So fühlen wir uns im Geschichtsstudium wie in der Schule; von der erhofften Freiheit an der Uni bleibt wenig übrig.
Es geht voran!
Bei all diesem Unsinn der Uni sollte aber nicht die Bedeutung der Geschichte vergessen werden. Linke Kritik muss die Geschichte kennen, denn jede Gesellschaft ist nur vermittels ihrer Geschichte zu verstehen. Und andersherum wappnet sich die Gesellschaft mit Geschichte, d.h. mit den Bildern, die sie von ihrer Geschichte und damit von sich selbst entwirft und verbreitet. Solche Bilder werden zum ideologischen Kitt und Kitsch der Nation. Derartige Geschichtsmythen zu entlarven – sei es wenn Guido Knopp behauptet, die Deutschen seien die wahren Opfer Hitlers gewesen, sei es beim „Zentrum gegen Vertreibungen“ oder bei anderen Themen – ist eine der Aufgaben der kritischen Linken. Die Linke Liste hat bereits in der Vergangenheit im AStA zahlreiche Veranstaltungen zur Kritik der Geschichtsschreibung und -wissenschaft organisiert und plant diesen Themenschwerpunkt auch im nächsten AStA weiter auszubauen.
16.Januar2010
Kultur auf dem Campus
Seminare, Vorlesungen, Hausarbeiten, Klausuren – das kann doch nicht alles sein, denkst Du Dir? Das sehen wir genauso! Die Universität befindet sich in einem Prozess der Ökonomisierung: der vollgepackte Stundenplan lässt einen kaum zur Ruhe kommen und zusätzlich sind viele von uns noch gezwungen, wegen den Studiengebühren neben dem Studium Lohnarbeit zu leisten. Für Aktivitäten und Interessen, die über die Berufsvorbereitung hinausgehen, findet sich da kaum noch Zeit. Und auch der Protest gegen diese widrigen Studienbedingungen bedeutet in erster Linie zusätzlichen Stress und Belastungen. Dem wollen wir Abhilfe schaffen! Ob Ihr bei einem Getränk im KulturCafé Eure Freunde treffen möchtet oder am Wochenende im AusländerInnenzentrum (AZ) tanzen gehen wollt: alles soll möglich sein – und das bei erschwinglichen Preisen für alle.
Kulturelle Vielfalt schaffen ...
In den beiden letzten Jahren war die Linke Liste im Kultur-Referat des AStA vertreten. Das Kulturarbeit nicht heißen kann überdimensionierte Shows mit kommerziellen Popstars zu organisieren, hat das Debakel der „Mensaparty“ des RCDS-Juso-LHG-AStA von 2007 deutlich gezeigt. Wir bieten lieber jungen, weniger bekannten KünstlerInnen – gerne aus den Reihen der Studierenden – eine Plattform, als eine Viertel Millionen Euro der Bochumer Studierendenschaft aus dem Fenster zu werfen. So war zum Beispiel das diesjährige Stonerrock-Konzert ein voller Erfolg! Neben eigenen Veranstaltungen und der Vermittlung des KulturCafés an Fachschaften, stehen wir auch in aktiven Kontakt mit den vielen kulturellen Initiativen auf dem Campus, wie dem Videofestival, dem Studienkreis Film (skf), der Literaturgruppe treibgut oder dem Theaterfestival megaFON, um nur einige zu nennen. Mitglieder der Linken Liste sind ebenfalls im AStA-Referat für Frieden und Antirassismus sowie im autonomen AusländerInnenreferat vertreten und sorgen dafür, dass das kulturelle Angebot an der RUB durch internationale Veranstaltungen ergänzt wird.
... und fördern
Auch bei der Organisation des Nordforums beim jährlichen Campusfests war das Kulturreferat mit LiLi-Beteiligung federführend – mit vollem Erfolg. Neben der Planung von Ständen und Infrastruktur des Festes, war das Kulturreferat auch für die Musik zuständig; das Programm reichte von HipHop zu Rock, von Ska/Reggae über Trash bis Indie und weiterem mehr. Auch die GewinnerInnen des jährlichen Bochumer Newcomer Festivals, das vom AkaFö-Kulturbüro boSKop in Zusammenarbeit mit dem AStA organisiert wird, waren wieder dabei. Daran lassen sich zwei Aspekte der Kulturarbeit der Linken Liste sehr gut aufzeigen: 1. die Unterstützung viel versprechender KünstlerInnen und 2. die Kooperation mit unterschiedlichen Gruppen in Bochum – um die Vielfalt zu erhalten und zu fördern.
Kurz gesagt
Kulturarbeit ist für uns dann erfolgreich, wenn es gelingt, die Universität in einen Ort zu verwandeln, an dem die kulturellen Bedürfnisse aller Studierenden berücksichtigt werden. Damit wir Euch das auch weiterhin bieten können, wollen wir auch in Zukunft unsere Arbeit weiterführen und für ein kontinuierlich vielfältiges Kulturangebot sorgen. In einem AStA, an dem die Linke Liste beteiligt ist, wird Euch das Kulturcafé und das AZ auch weiterhin für Partys und andere Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Zugleich arbeiten wir daran, das Angebot durch weitere Ideen zu ergänzen. Wenn Ihr Ideen habt – schaut doch einfach mal in den AStA rein und mischt mit!
14.Januar2010
Bologna, in a Nutshell
Als vor über 10 Jahren BildungsministerInnen aus 23 europäischen Staaten die Erklärung von Bologna unterzeichneten, beschlossen sie damit eine weltweit beispiellose Veränderung im Hochschulwesen. Die Studiengänge sollten harmonischer organisiert werden, Studienabschlüsse vergleichbar und die internationale Mobilität europäischer Studierender verbessert werden. Ein einheitlicher Hochschulraum Europa sollte entstehen. Das Jahr 2010 wurde als Zielmarke vereinbart. Mittlerweile ist 2010 – Zeit für eine Bilanz.
Die Ausgangslage
Als Bologna beschlossen wurde, lag Protest in der Luft: Gerade in Deutschland gab es die größten Studierendenproteste seit den 68ern. Der Unmut richtete sich gegen überfüllte Hörsäle, eine schlechte Betreuungsrelation zwischen Studierenden und DozentInnen sowie schlecht ausgestattete Bibliotheken. Aber auch die Hochschulleitungen und PolitikerInnen waren unzufrieden mit ihren Hochschulen: Abschlüsse dauerten zu lange und zu viele Studierende brachen ihr Studium ab.
Die Maßnahmen
Bereits ein Jahr vor Bologna wurde mit der Sorbonne-Erklärung die Basis für ein einheitliches Kreditpunktesystem geschaffen: das European Credit Transfer System (ECTS) bildet die Grundlage für die Bewertung und Vergleichbarkeit von Studienleistungen. Mit der Verständigung auf ein zweigliedriges Abschlusssystem wurden Bachelor und Master als konsekutive Regelabschlüsse aus der Taufe gehoben. Mit diesen beiden zentralen Maßnahmen sollte dem europäischen Bildungsraum auf die Sprünge geholfen werden, der insbesondere im Vergleich zu den USA und den ostasiatischen Staaten ins Hintertreffen zu geraten schien.
Die Umsetzung
Bereits im Vorfeld standen Asten, auch und insbesondere der von der von der Lili geführte Bochumer AStA, der Entwicklung skeptisch gegenüber: Zu vage waren die Ziele gehalten, zu unverbindlich die Versprechungen, dass das zentrale Problem der deutschen Hochschulen, nämlich ihre chronische Unterfinanzierung, angegangen werde. Das Ergebnis des Bologna-Prozesses ist bekannt: Das altbekannte Diplom wurde kurzerhand ersetzt, da es die Vorgabe, in acht Semestern studierbar zu sein, nicht erfüllen konnte. Beschlossen wurde ein Studium aus Bachelor und Master, welches bereits auf dem Reißbrett zwei Semester mehr benötigen sollte, um einen mit dem Diplom vergleichbaren Abschluss zu generieren. Gleichzeitig fingen Universitäten an, allen voran die Ruhr-Universität, ihre Studiengänge bachelorkonform auszurichten – mit teils schrecklichen Folgen. Aus dem Mangel an Einsicht, dass ein acht-semestriges Diplom- oder Magister- Studium nicht ohne Streichungen im Lehrplan in sechs Semestern zu erreichen sein wird, wurden Bachelorstudiengänge mit einer deutlich höheren Arbeitsbelastung geschaffen, die ohnehin schon durch den neu entstandenen Optionalbereich aufgebläht wurden. Gerade in der Anfangsphase wurden Experimente begonnen, vor deren Ausgang VertreterInnen der Linken Liste immer wieder in Senat und Öffentlichkeit gewarnt hatten: Am Ende standen Studiengänge, von denen erstmals 2009 auch ProfessorInnen eingestehen mussten, dass diese wohl nicht innerhalb von sechs Semestern studierbar sein würden. Viel zu spät, wie wir immer wieder angemerkt haben, gab im letzten Herbst Rektor Weiler sein Versprechen, dass die Reform reformiert werde. Doch mit diesem Versprechen verhält es sich, ähnlich wie mit der Einführung der Bologna-Reformen: nett, aber ziemlich vage. Im künftigen AStA werden wir uns dafür einsetzen, dass den Versprechungen Taten folgen. Die insbesondere in den Fachschaftsräten vorhandene Kompetenz muss mehr und besser in die Gestaltung der Studiengänge einfließen. Aus der Erkenntnis, dass die derzeitigen Studiengänge weder den Zielen von Bologna gerecht werden noch dazu dienen, einen umfassend gebildeten Menschen hervor zu bringen, muss die Konsequenz gezogen werden, dass Studiengänge entschlackt, Anwesenheitskontrollen abgeschafft werden und Platz geschaffen wird für ein freies Studium.
Too Big to Fail
Immer wieder wird angeführt, das Reformvorhaben von Bologna sei restlos gescheitert, eine Rückkehr zum alten System der einzige Ausweg. Lediglich BildungsministerInnen von CDU und FDP propagieren immer noch unrelativiert die Sonnenseiten von Bologna. Im Ergebnis gilt aber wohl das, was wir im letzten Jahr bei den Banken gelernt haben: Jede noch so schlecht geführte Bank musste gerettet werden, wenn sie systemrelevant war. Die Hochschulen sind auch systemrelevant; Bologna ist zu groß, um es scheitern lassen zu können. Letztlich war das Ziel von Bologna, dass Studierende mit einem Abschluss aus Bochum in Birmingham oder Barcelona die gleichen Startchancen haben wie ein/e AbsolventIn dieser Hochschulstandorte, auch nicht zu kritisieren. Deshalb muss es einen Bologna-Prozess geben, in dem Studiengänge studierbar, die Bedürfnisse von Konzernen nicht der Hauptzweck von Universitäten sind und Bildung wieder einen Selbstwert bekommt.
14.Januar2010
Ranking vs. Reality?
Psychologie an der RUB
Das Fach Psychologie erfreut sich seit Jahren großer Beliebtheit unter AbiturientInnen: Auf die wenigen Plätze bewirbt sich regelmäßig eine Vielzahl von potentiellen Studierenden - in Bochum betrug die Relation 5514 BewerberInnen auf 100 Plätze im aktuellen Wintersemester.
Die Konsequenz ist ein enorm hoher Numerus Clausus, da die Zahl der verfügbaren Studienplätze aus finanziellen Gründen konstant gehalten wird. Umso verständlicher ist die Freude darüber, trotz des 1,x NCs überhaupt irgendwo angenommen worden zu sein. Landet man in Bochum, ist dies vermutlich gar nicht das „schlimmste Schicksal“: Zwar erhält der Psychologie-Studiengang der RUB beispielsweise auf der Seite www.unicheck.de unter 25 bundesweit durch Studierende bewerteten Unis den letzten Platz, doch sieht das CHE-Ranking die Lage etwas anders: Nach Ansicht des Centrums für Hochschulentwicklung stehen wir nach den meisten Kriterien in der Mittel- bis Spitzengruppe, besonders positiv wird die Summe der Forschungsgelder pro Professor gerated. Auch das Lehrangebot erhält die Schulnote 2,3.
Es stellt sich also die Frage, was wir als Linke Liste im Studierendenparlament und im Allgemeinen Studierenden Ausschuss (AStA) noch für euch tun können, wenn die Lage scheinbar im Großen und Ganzen positiv beurteilt wird. Zunächst fällt ins Auge, dass das CHE keine Fragen dazu stellt, wie die Studierenden die Höhe und ihre Mitbestimmungsmöglichkeiten zur Verwendung der Studiengebühren bewerten. Es wird ebenfalls außer acht gelassen, ob die Umstellung vom Diplom zum Bachelor/Master-System und z. B. die damit verbundene Anwesenheitspflicht in Seminaren positiv gesehen wird. Mit solchen und ähnlichen Fragen beschäftigen sich die ReferentInnen der Linken Liste im Referat für Hochschulpolitik und versuchen gemeinsam mit den Fachschaftsräten Lösungen zu finden, die euch das Studium angenehmer machen können.
Wirft man einen Blick in die Vorlesungsverzeichnisse der letzten Jahre, fällt neben den sich häufig wiederholenden Veranstaltungstiteln auf, dass im Modul-Angebot kaum kritische Reflexion über die eigene Wissenschaft stattfindet. Ebenso wird die Geschichte der Psychologie größtenteils ausgespart. Falls euch diese Themen dennoch interessieren sollten, seid ihr bei uns an der richtigen Adresse: Im letzten Jahr organisierten unsere ReferentInnen im Referat für Kritische Wissenschaften Vorträge zu den Themen „Hirnphysiologie und Willensfreiheit. Zur Kritik der Hirnforschung“und „Zur Kritik des biologischen Determinismus“, ein Tagesseminar über die „Grundlagen der Psychoanalyse als kritische Theorie“ und eine Buchpräsentation über „Mit Freud. Gesellschaftskritik und Psychoanalyse“.
14.Januar2010
Kochen ohne Knochen
Vegane Ernährung an der RUB
Das Thema vegane Ernährung wurde an der RUB lange Zeit stiefmütterlich behandelt – nicht nur vom Akademischen Förderungswerk, sondern auch von den studentischen VertreterInnen. Um endlich konkrete Verbesserungen durchzusetzen, haben sich unsere beiden studentischen AKAFÖ-Verwaltungsratsmitglieder (Birte Schleiting und René Voss) im vergangenen Jahr dafür eingesetzt, einen „Runden Tisch“ zu gründen, der sich mit der Einführung einer veganen Produktlinie in den AKAFÖ-Betrieben auseinandersetzt.
Ein erstes konkretes Ergebnis ist das vegane Snackangebot in der Cafeteria GB. Seit dem Sommersemester 2009 gibt es dort neben unterschiedlichen Brötchen auch vegane Puddings und Kakao. Das stellt eine deutliche Verbesserung für alle vegan lebenden Menschen auf dem Campus dar. Die Linke Liste wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass das vegane Angebot ausgebaut wird. Denn wir wollen, dass alle selbst entscheiden können, was sie essen wollen - und eben auch, was nicht. Derzeit sind vegane Produkte in der Mensa leider noch nicht durch ein spezielles Symbol gekennzeichnet. So bleibt vorerst nur der Blick in den Allergiespeiseplan, der online unter www.akafoe.de bereitgestellt wird. Der Plan informiert nach Aussage der AKAFÖ-Küche über alle relevanten tierischen Inhaltsstoffe der Mensa-Speisen - mit Ausnahme des verhältnismäßig teuren und deshalb kaum verwendeten Honigs. Die Linke Liste wird weiter auf eine bessere Kennzeichnung der schon jetzt vorhandenen veganen Produkte drängen. Unser langfristiges Ziel ist aber vor allem die Einführung eines attraktiven regulären veganen Mittagsangebots in der Mensa. Leider brauchen Veränderungen dieser Größenordnung Zeit. Schließlich ist eine Küche, in der täglich bis zu 6000 Essen produziert werden, ein Großbetrieb. Bis es soweit ist, haben wir auf diesem Flyer schon einmal zusammengestellt, wo man an der RUB schon jetzt vegan essen und trinken kann.
Vegan auf dem RUB-Campus:
Mensa-Salatbar: ein vielfältiges Angebot inkl. vieler verschiedener Öle und mit auch im strengen Sinne veganen, also nicht mit Gelantine oder Fischbestandteilen geklärten Essig)
Mensa: Vegetarische Bolognese an der Nudeltheke + einzelne Artikel im täglichen Programm (Hinweis darauf derzeit leider nur durch die Angaben im Allergiespeiseplan)
GB-Caféte: Sojapudding in verschiedenen Sorten, Sojagetränke, Pizzabagle mit Tomatenaufstrich, Weizenbrötchen mit Aufstrich, Jogging-Brötchen mit Räuchertofu
KulturCafé: Vegane Kartoffeltaschen (Böreks), Baguettes und Brötchen mit Aufstrich oder Räuchertofu, außerdem Salate und kleine Snacks, Kaffee mit Sojamilch
Edwards: Kaffee mit Sojamilch
Hutzel: Deklariert im Gegensatz zu vielen anderen Bäckereien nicht nur die Zutaten, sondern auch die Bestandteile der einzelenen Zutaten vollständig.
13.Januar2010
Linke Liste im AStA
Eine Bilanz
Seit Februar 2008 stellt die Linke Liste zusammen mit der „Grünen Hochschulgruppe“ (GHG), der „alternativen liste“ (al) und der Liste „Schöner Wohnen in Bochum“ (SWIB) den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA). Wir arbeiten im AStA als undogmatische, parteiunabhängige, linke Bündnisliste. Mit acht Sitzen waren wir im letzten Jahr eine der beiden stärksten Listen im Studierendenparlament. Unsere ReferentInnen waren in den Bereichen Finanzen, Hochschulpolitik, Kultur und Wohnen, Öffentlichkeitsarbeit, Frieden und Antirassismus, Grund- und Freiheitsrechte (GruF), Kritische Wissenschaften (KriWi) sowie Service, Soziales und Sport aktiv. Am Ende unserer Amtszeit können wir eine positive Bilanz ziehen und auf zwei erfolgreiche Jahre zurückblicken.
Unterstützung unabhängiger Kultur
Initiativen, Projekte und studentische Partys, die abseits vom kommerziellen Mainstream ein buntes Publikum ansprechen, gehören für uns zum wichtigsten Bereich studentischer Kulturarbeit. So wurde zum Beispiel das diesjährige Stonerrock-Konzert zu einem vollen Erfolg und auch die komödiantische Lesung mit Torsten Sträter erfreute sich großer Beliebtheit. Unsere Kulturarbeit umfasste außerdem die Organisation des Uni-Campusfests, für das wir junge Bands aus verschiedenen Musikrichtungen engagieren konnten. Wir haben darüber hinaus Projekte und studentischer Initiativen wie das „Internationale Bochumer Videofestival“ oder das Studentische Theaterfestival „Megafon“ unterstützt. Letzteres wird im kommenden Sommer seine Spielstätten in die Bochumer Innenstadt verlegen und auch dann selbstverständlich wieder mit der Unterstützung des AStA mit Lili-Beteiligung rechnen können. Vor allem aber haben wir dafür gesorgt, dass Studierende und studentische Gruppen das KulturCafé und das AZ für eigene Veranstaltungen nutzen können und bei organisatorischen Schwierigkeiten im AStA einen verlässlichen Ansprechpartner hatten.
Gegen Nazis und andere Scheußlichkeiten
Als dezidiert antifaschistische Liste ist es uns ein großes Anliegen, Nazis und ihren menschenverachtenden Ideologien entgegenzutreten. Extrem rechtes Gedankengut entsteht nicht einfach im luftleeren Raum – es sind vielmehr die in unserer Gesellschaft angelegten Bedingungen, die es hervorbringen. Mit Vorträgen, Lesungen und Diskussionen, die von unseren ReferentInnen im GruF und KriWi organisiert werden, verschaffen wir daher gesellschaftskritischen Positionen Gehör. Da aber auch die Praxis nicht zu kurz kommen darf, sorgen die ReferentInnen der LiLi im AStA dafür, dass antifaschistische und emanzipatorische Initiativen und Projekte in Bochum und Umgebung finanzielle, infrastrukturelle und personelle Unterstützung erhalten, um Nazis entschlossen entgegentreten zu können. Bereits seit zwei Jahren sind unsere GruF-ReferentInnen maßgeblich an der Organisation des NRW-weiten Antifa-Camps in Oberhausen beteiligt, um so interessierten Jugendlichen theoretische und praktische Grundkenntnisse antifaschistischer Arbeit zu vermitteln. Mit der gleichen Absicht geben wir die Zeitschrift „decrypt“ heraus, in der Ihr neben spannenden Artikeln zu aktuellen politischen Themen auch praktische Tipps findet.
Veranstaltungen über Veranstaltungen
Neben eher theoretisch ausgerichteten Veranstaltungen – wie beispielsweise einem Wochenendseminar zum Thema „Grundlagen der Psychoanalyse als kritische Theorie“ wurden auch Themenabende zur politischen Praxis angeboten (u. a. ein Vortrag zur Problematik „Der Iran – eine islamische Diktatur und ihre europäischen Förderer“). In diesem Zusammenhang bildete die schon seit 1996 bestehende „Rote Ruhr-Uni“ im November 2009 einen Höhepunkt. Neu hingegen war in diesem Jahr die Veranstaltungsreihe „Geschlecht und Gesellschaft“, die im vergangenen Dezember in Zusammenarbeit mit dem autonomen FrauenLesbenReferat der RUB stattfand. In diesem Rahmen wurde u. a. über „Männer und Frauen im Beruf“ oder „Intersektionalität und Männlichkeit“ diskutiert (für alle, die nicht wissen, was „Intersektionalität“ ist, empfiehlt sich ein Blick in die LiLi-Zeitung). Insgesamt fanden im Zuge der oben genannten Events und der beiden KriWi-Veranstaltungsreihen „CRITIX“ und „COUNTER CURRICULUM“ im vergangenen Jahr für Euch beinahe 40 von LiLi-ReferentInnen organisierte Veranstaltungen statt, die sich mit Themen auseinandersetzten, die Ihr in keinem Vorlesungsverzeichnis der Uni finden werdet.
Hochschulpolitik in Zeiten des Bildungsstreiks
Der Ausbau der basisdemokratischen Entscheidungsmöglichkeiten der Studierendenschaft ist für die Linke Liste ein maßgebliches Ziel. Deshalb waren unsere Leute im Referat für Hochschul- und Bildungspolitik an der Organisation und Bewerbung der beiden Vollversammlungen im vergangenen November und Dezember beteiligt, die mit bis zu 3.000 TeilnehmerInnen ein voller Erfolg waren. Damit wollten wir Euch Gelegenheit geben, euren Kritikpunkten und Forderungen für ein besseres Bildungssystem Ausdruck zu verleihen, den Protest zu organisieren und entsprechende Aktionen zu planen. Einen weiteren Beitrag leisteten unsere KriWi-ReferentInnen, die auf dem „Alternativen Bildungsgipfel“ im Dezember einen Workshop zum Thema „Bildung im Kapitalismus“ anboten. Leider gelang es nicht, die Studiengebühren insgesamt abzuschaffen, doch war es zumindest möglich, Ausnahmeregelungen für finanziell besonders belastete Studierende zu schaffen und eine Teilungsklausel für Geschwister einzuführen. Darüber hinaus beschäftigten wir uns mit Möglichkeiten der studentischen Mitbestimmung im Zuge der anstehenden Reform des BA/MA-Systems und anderen Problemen wie hohen NCs, überfüllten Seminaren, VSPL und schlechten Studienordnungen. Wenn Ihr Euch für unsere Positionen zum Bildungsstreik interessiert, schaut einfach in unsere Zeitung!
Wirtschaftsbetriebe
Schon seit Jahren haben wir die Einstellung eines Wirtschaftskoordinators gefordert, der listenunabhängig eine kontinuierliche Organisation der Wirtschaftsbetriebe des AStA gewährleistet. Dieses Jahr haben wir uns endlich durchgesetzt und im Sommersemester konnte die Stelle eingerichtet und besetzt werden. Bereits jetzt hat der Wirtschaftskoordinator einige Ideen umgesetzt, welche z. B. die Zahl der Aufträge für die AStA-Druckerei deutlich erhöht haben. Für das kommende Jahr sind deutliche Umsatzsteigerungen in allen drei Wirtschaftsbetrieben des AStA zu erwarten. So können wir Euch weiterhin studifreundliche Preise in KulturCafé, CopyShop und Druckerei bieten.
Service, Finanzen, Antirassismus und Öffentlichkeitsarbeit
Neben unserer inhaltlichen Arbeit stellten wir im vergangenen Jahr auch den Finanzreferenten des AStA, der über den verantwortungsbewussten Umgang mit den studentischen Geldern wachte und den Wechsel zu einer Bank forcierte, die nicht nur bessere Zinsen bietet, sondern auch das von uns angelegte Geld nur zur Finanzierung sozialer, ökologischer und kulturell zukunftsweisender Unternehmen und Projekte verwendet. Im Service-Referat stehen unsere ReferentInnen während der verlängerten Öffnungszeiten für eine multilinguale Beratung bei den kleinen und großen Problemen des Studiums als erste AnsprechpartnerInnen zur Seite. Das Referat für Frieden und Antirassismus unterstützt Euch mit Rat und Tat, wenn Ihr im Studium oder darüber hinaus mit Diskriminierung und Benachteiligung konfrontiert seid. Zu guter Letzt kümmerten sich unsere ReferentInnen für Öffentlichkeitsarbeit um den Internetauftritt des AStA, schrieben Pressemitteilungen, gaben Interviews, hielten den Kontakt zu Presse und Öffentlichkeit und bemühten sich, Euch so gut wie möglich darüber zu informieren, was der AStA im vergangenen Jahr auf die Beine gestellt hat.
Vom 18. bis zum 22. Januar habt Ihr die Möglichkeit, das Studierendenparlament und damit den AStA für das kommende Jahr zu wählen. Wenn Ihr nach dieser Übersicht der Meinung seid, dass die Linke Liste ihre Arbeit im AStA fortsetzen soll, stimmt für uns bei der Wahl zum SP!
11.Januar2010
10 gute Gründe LiLi zu wählen
Natürlich gibt es tausend gute Gründe, der Linken Liste bei den SP-Wahlen die Stimme zu geben. Die findet ihr in unserer aktuellen Zeitung und auf unseren Flugblättern. Zehn ausgewählte Gründe haben wir für Euch zusammengefasst.
1. Kritische Wissenschaft fördern
Leben ist mehr als zur Uni gehen; Wissenschaft ist mehr als die offiziellen Veranstaltungen! Deshalb verschaffen wir in Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen kritischen Positionen Gehör. Zudem unterstützen wir gesellschaftskritische Initiativen wie die Rote Ruhr Uni und die AG „Geschlecht und Gesellschaft“.
2. Fachschaften und Initiativen stärken
Mit der Linken Liste ist der AStA ein verlässlicher Partner auf dem Campus und darüber hinaus. Die Unterstützung von Fachschaften, Initiativen (z. B. dem Theaterfestival megaFON) und politischen Projekten ist uns dabei besonders wichtig. Auch bei schwieriger Haushaltslage haben wir Fachschaften und Initiativen intensiver unterstützt als unsere VorgängerInnen und werden diese Unterstützung in Zukunft noch ausbauen.
3. Finanzen sichern
Wir stehen für solide Finanzen. Als wir den AStA Anfang 2008 übernahmen, hatte er, auf Grund der missglückten Mensaparty der abgewählten Mitte-Rechts-Koalition (Jusos-RCDS-LHG), ein Defizit von einer knappen Viertelmillion Euro. Die Rücklagen mussten aufgelöst und ein erheblicher Teil des Defizits mit ins neue Haushaltsjahr genommen werden. Diese Hinterlassenschaft belastete unsere Arbeit sehr. Dennoch ist es uns gelungen, den Haushalt zu konsolidieren und zu einem der aktivsten ASten der vergangenen Jahre zu werden. Diese Arbeit wollen wir fortsetzen.
4. Nazis bekämpfen
Die Linke Liste nimmt weder Naziaufmärsche in Bochum und Umgebung hin, noch die regelmäßigen Übergriffe auf diejenigen, die nicht ins Weltbild der Nazis passen. Wir sind aktiv in regionalen Antifa-Plena, organisieren Aktionen gegen Rechts und informieren mit Vorträgen über Entwicklungen der extremen Rechten. Das AStA-Referat für Grund- und Freiheitsrechte vernetzt die Studierendenvertretung mit Initiativen gegen Rechts in der Region. Um Antifaschismus weiter in der Region zu stärken, waren wir in den beiden vergangenen Jahren maßgeblich an der Organisation des NRW-weiten Antifa-Camps in Oberhausen beteiligt.
5. Studiengebühren abschaffen
Studieren darf kein Privileg für Kinder reicher Eltern sein. Die Gebühren müssen sofort deutlich gesenkt und mittelfristig wieder abgeschafft werden! Deswegen verhandeln wir mit der Uni-Leitung, machen Druck bei EntscheidungsträgerInnen, organisieren und unterstützen öffentlichkeitswirksamen Protest. Dabei sehen wir die Studiengebühren nicht isoliert, sondern im Kontext der herrschenden Bildungs- und Sozialpolitik. Solange die Gebühren erhoben werden, wollen wir den Einfluss der Studierendenschaft auf die Verwendung vergrößern. 6. Parteiunabhängig aktiv sein Gegen die Linke Liste treten die Hochschulgruppen von CDU, SPD, FDP und Grünen an. Die Linke Liste steht keiner Partei nahe, sondern ist ein breites, unabhängiges Bündnis aus außerparlamentarischen, antifaschistischen und undogmatischen Linken, die in zahlreichen Fachschaften und Initiativen aktiv sind.
7. Hochschulpolitik verändern
Die BA/MA-Studiengänge sind an der RUB überstürzt eingeführt worden. Heute müssen die Studierenden dafür büßen, weil sie mit kaum studierbaren Studiengängen in viel zu geringen Studienzeiten zu kämpfen haben. Die angedachten Reformen gehen uns nicht weit genug – da sie mal wieder an den Studis vorbei beschlossen werden sollen. Wir fordern mehr studentische Mitbestimmung bei der Gestaltung von Studiengängen. Das BA/MA-System ist jedoch nicht das einzige Problem an der Uni. Andere für uns wichtige Themen sind hohe NCs, überfüllte Seminare, VSPL und schlechte Studienordnungen. Den wirtschaftskonformen Elite-Träumen des Rektorats setzen wir ein Hochschulmodell entgegen, in dem es um Bildung, Selbstverwirklichung und gesellschaftliche Verantwortung geht.
8. Kultur nach vorne bringen
Uni darf nicht nur Stress sein. Deshalb bringen wir ein breites Spektrum an unabhängiger, unkommerzieller Kultur auf den Campus. Im Kulturreferat unterstützten wir Studierende bei der Organisation von Konzerten, Lesungen, Partys und anderen Veranstaltungen. Mit uns bleibt das KulturCafé ein Veranstaltungsort für alternative Kultur und wird nicht kommerziell verpachtet. Unabhängig von unserer AStA-Arbeit tragen wir als Linke Liste ebenfalls zum Kulturangebot der Uni bei.
9. Sozialleistungen sichern
Härtefall-Fonds und AusländerInnen-Hilfsfonds helfen vielen Studierenden in Notsituationen. Auch die Rechts-, Sozial- und BAFöG-Beratungen des AStA haben zahlreichen Studis helfen können. Durch eine verantwortungsvolle Haushaltspolitik wollen wir den Erhalt dieser Angebote garantieren. Unsere ReferentInnen im AStA-Servicereferat sind die erste Anlaufstelle bei den großen und kleinen Problemen im Uni-Alltag.
10. Gesellschaftskritik – es geht ums Ganze!
An den herrschenden Zuständen gibt es aus unserer Sicht viel zu kritisieren. Von weltweiter Armut über Umweltzerstörung bis hin zu faschistischen Umtrieben gibt es Missstände, welche wir nicht einfach hinnehmen. Deshalb sind wir nicht nur im AStA aktiv, sondern setzen uns auf allen Ebenen für die Perspektive einer besseren Gesellschaft ein – und dabei kann jedeR von euch mitmachen!
7.Dezember2009
Für ein freies Leben und freie Bildung
Seit Anfang der Woche sind Proteste der Studierenden auch in Bochum wieder angelangt. Begonnen hat die aktuelle Welle des Bildungsstreiks in Österreich, wo seit mehreren Wochen durch Hörsaalbesetzungen gegen die unwürdigen Studienbedingungen protestiert wird. In Folge dieser Ereignisse gingen auch in zahlreichen Städten in Deutschland Studierende und SchülerInnen auf die Straßen. Auch die Zahl der Besetzungen wuchs täglich. Anfang dieser Woche startete dann der angekündigte „heiße Herbst“ im Rahmen des landesweiten Bildungsstreiks.
Im ganzen Land demonstrierten über 90.000 SchülerInnen und Studierende, um auf die Missstände im Bildungssystem aufmerksam zu machen. Im Anschluss an die Demonstration in Bochum besetzten rund 90 Studierende das HZO 10. Am 19. November nahmen etwa 3.000 KommilitonInnen in einer spontanen Aktion das Audimax ein, um die studentische Vollversammlung (VV) in eine größere Räumlichkeit zu tragen. Nachdem die VV in einer Resolution weitreichende Forderungen für eine freie Bildung und zur Verbesserung der allgemeinen Studienbedingungen beschlossen hat, wurde auch das Audimax an der Ruhr-Universität besetzt. Am Dienstag kam es am frühen Morgen zur polizeilichen Räumung. Anschließend blockierten etwa 500 Studierende die Universitätsstraße aus Protest gegen diese empörende unverhältnismäßige Maßnahme der Universitätsverwaltung.
Freier und gerechter Zugang zu Bildung ist nicht erst seit der Einführung von Studiengebühren eine zentrale Forderung im Kampf um die gesellschaftlichen Voraussetzungen, unter denen eine freie Entfaltung des Individuums erst denkbar wäre. Wer heute ein Studium aufnimmt, kann sich in Zeiten massiver sozialer Selektion glücklich schätzen, auf der privilegierten Seite stehen zu dürfen. Studiengebühren verschärfen diese sozialen Selektionsprozesse nun noch weiter und sind somit „nur“ die Spitze des Eisbergs. Für uns Studierende sind diese unsozialen Entwicklungen innerhalb des Bildungssektors aber von besonderer Relevanz. Auch in den Bildungsinstitutionen kommen die entsprechenden Verantwortlichen den marktwirtschaftlichen Imperativen nur allzu gerne nach – und gegen diese Zeichen der Zeit gilt es zu protestieren.
Sofern nicht die freie Entwicklung des Individuums das höchste Ziel der Gesellschaft ist, sondern die Verwertbarkeit in allen Bereichen des Lebens, ist diese Bewegung umzukehren. Die aktuellen Tendenzen im Bereich der Hochschulbildung sind nur ein Beispiel für diesen selbstlaufenden gesellschaftlichen Prozess: Die Einführung von B.A./M.A. gehen mit einer Einengung des Studiums auf die reine Berufsvorbereitung und Verschulung einher. Studierende und DozentInnen befinden sich nicht in einem Verhältnis von Lehrenden und Lernenden, sondern stehen sich als KonsumentInnen und Dienstleistende gegenüber. Die Zahl jener, die sich diesen Luxus auch leisten können, ohne schon von früh an mit hohen Schulden dazustehen, verringert sich ununterbrochen.
Fordern wir nicht nur freie Individuen auf dem Campus, sondern auch eine befreite Gesellschaft, so kann ihr Ausgangspunkt auch im kritischen Leben auf dem Campus und öffentlichen Widerspruch gegen die Hochschulreform liegen. Die Linke Liste begrüßt daher die Proteste des längst auch in Bochum fälligen Bildungsstreiks.
7.Dezember2009
Gender-Trouble-Shooter: Campus freier Individuen mit LiLi
Sowohl an der Uni als auch im Alltag scheint sich die Gleichberechtigung von Frau und Mann durchgesetzt zu haben, und wo dies nicht der Fall ist, sollen Gesetze und Gleichstellungsbeauftragte dafür sorgen, dass gegen ungleiche Behandlung vorgegangen wird. Was mit der Gleichstellung der Frau begann, scheint sich nun auch auf alternative Formen der Sexualität auszuweiten. Dies ist beispielsweise daran zu erkennen, dass gleichgeschlechtlichen Paaren teilweise mehr Rechte zugebilligt werden. Doch bleibt die Frage, ob sich diese Entwicklung auch wirklich in der Gesellschaft widerspiegelt, und ob mensch sich mit dem Erreichten zufrieden geben darf.
...not only for the boys (or girls)... Ein näherer Blick auf die Gesellschaft zeigt, dass sich die Gleichberechtigung der Geschlechter zwar rechtlich durchgesetzt hat, jedoch nicht in den Köpfen und strukturell. Sowohl Statistiken (z.B. über den Frauenanteil in Führungspositionen oder den Männeranteil am Erziehungsurlaub), als auch der alltägliche Sexismus zeigen, dass die Gleichberechtigung noch lange nicht erreicht ist. Zudem zeigt die weitverbreitete Homophobie, wie gering die Akzeptanz für und wie groß der latente Hass gegen andere Formen der Sexualität ist. All dies lässt sich auf die an den gesellschaftlichen Verhältnissen abgelesene Vorstellungen zurückführen, Frauen seien nun mal ’von Natur aus’ anders als Männer und es gebe dementsprechend eben auch Berufe und Aufgaben, für die Frauen oder Männer jeweils besser geeignet seien. Ähnlich wird auch nur die Heterosexualität als normal empfunden und Homosexualität als unnatürliche Abweichung davon betrachtet.
"On ne naît pas femme: on le devient" Das Problem springt ins Auge: Auch wenn es notwendig und richtig ist, sich für eine Gleichberechtigung von Frauen sowie nicht-heterosexuellen Menschen einzusetzen, darf die Kritik an der Gesellschaft hier nicht enden, da damit nur die offensichtlichen Wirkungen, nicht jedoch die Ursachen erkannt und bekämpft werden.
Denn nicht die ungleiche Behandlung der Geschlechter und Sexualitäten führen zum sexistischen und homophoben Normalzustand – es liegt viel grundlegender an der gesellschaftlich verankerten Vorstellung, dass es eine natürliche Trennung und Aufteilung aller Menschen in zwei Geschlechter gibt, die notwendig heterosexuelle Beziehungen zur Folge haben. Wie es schon Simone de Beauvoir auf den Punkt gebracht hat: „Man wird nicht als Frau geboren; man wird es.“ Hier wird klar, dass sie bereits erkannt hat, was viele noch erkennen müssen: Geschlechtsspezifische Eigenschaften und Fähigkeiten sind nicht natürlich, sondern haben ihren Grund in einer gesellschaftlich gemachten Zuschreibung.
Damit es also zu einer wirklichen Gleichberechtigung aller Menschen kommen kann, müssen die bestehenden Geschlechter- und Sexualitätskonzepte hinterfragt und überwunden werden. Die binäre Vorstellung von ‚Mann’ und ‚Frau’, und damit einhergehend von ‚Heterosexualität’ muss als ein Konstrukt erkannt werden, um die Ausgrenzung einer Vielzahl anderer Formen der Geschlechtlichkeit und Sexualität zu beenden. Es müssen Ursachen dafür identifiziert werden, was die Überwindung bestehender Geschlechter- und Sexualistätskonzepte strukturell hindert: nämlich die bürgerliche Vergesellschaftung, die keine freie Entfaltung des Individuums ermöglicht.
Die Einteilung aller Menschen in diese Kategorien ist eine abstrakte, willkürliche Setzung, die eine historisch gewordene gesellschaftliche Struktur darstellt. Um eine Assoziation freier Individuen möglich zu machen, ist nicht einfach die Gleichberechtigung von Mann und Frau erforderlich, sondern das Ablegen dieser Vorstellung und das Aufheben der ihr zugrunde liegenden Verhältnisse.
Unsere Ziele Uns als Linker Liste ist es deswegen nicht nur wichtig, uns für Gleichberechtigung an der RUB und darüber hinaus einzusetzen, sondern auch, den notwendigen weiteren Schritt zu tun und ein Bewusstsein für die gesellschaftliche Konstruiertheit der Geschlechter und Sexualitäten zu schaffen. Deswegen unterstützen wir nicht nur aktiv das autonome FrauenLesben- und das autonome Schwulenreferat, sondern organisieren als Teil des AStAs Veranstaltungen, die sich mit Geschlechtlichkeit und Sexualität beschäftigen und Theorieansätze präsentieren, mit denen die gesellschaftlichen Zusammenhänge, die Ursache dafür sind, erklärt werden können.
7.Dezember2009
Datenschutz
StudiVZ, Myspace, Lokalisten sowie unzählige regionale Community-Portale erfreuen sich großer Beliebtheit. Gesundheitskarte und elektronischer Personalausweis kommen bald, die Chipkarte für Studierende oder der Chip im Reisepass sind bereits da. Kein Zweifel – in den letzten zehn Jahren hat sich die Welt wieder einmal grundlegend gewandelt. Wir leben in einer Informationsgesellschaft.
Während immer mehr Daten gesammelt oder preisgegeben werden, ändern sich gleichzeitig die technischen Möglichkeiten rasant. Immer schneller können Daten übertragen, immer besser größere Datenmengen verarbeitet werden. Neben den vielen Vorteilen, die das für den einzelnen bietet, Lauern in dieser Entwicklung aber auch neue Gefahren. Durch die bessere Verfügbarkeit von persönlichen Daten bieten sich für Unbefugte und Befugte bessere Bedingungen, diese Daten zum Nachteil anderer einzusetzen.
Bewusster Umgang empfohlen Wer ein Profil bei StudiVZ besitzt, verrät dort einiges über sich. Angefangen bei Namen und Fotos, über Vorlieben und Hobbies bis hin zum Freundeskreis lässt sich dort häufig ein kompletter Überblick über das Privat- und Berufsleben eines Menschen anfertigen. Die Daten, die ihr dort veröffentlicht, sind grundsätzlich erst einmal für alle NutzerInnen sichtbar. Dabei ist es ein leichtes, seine Daten zumindest rudimentär zu schützen. StudiVZ und vergleichbare Internetdienste bieten die Möglichkeit, den Zugriff Fremder auf die eigenen Daten zu beschränken. Es empfiehlt sich, diese Funktionen zu nutzen, um die eigene Privatsphäre zu wahren. Schließlich geht es ja nicht alle Welt an, auf welcher Party ihr am Wochenende abgestürzt seid.
Neugierige Arbeitgeber Während solche Dinge gegenüber FreundInnen und Bekannten schlimmstenfalls peinlich werden können, wird es gegenüber potentiellen ArbeitgeberInnen zu einem echten Problem. Unternehmen recherchieren zu ihren potentiellen MitarbeiterInnen, und das auch im StudiVZ. Ob die Personalchefin dich, nachdem sie dein Profil gelesen hat, noch für geeignet hält? Schutz vor einem Datenleck bei StudiVZ bieten die Privatsphärefunktionen allerdings nicht. Hacker, die Interesse an den umfangreichen Datensätzen haben oder MitarbeiterInnen, die diese an Datenhändler verkaufen, wird es weiterhin geben. Und wie einfach es ist StudiVZ-Profile mit Hilfe eines Datensammelprogramms – einem sogenannten Crawler - auszulesen, zeigte der letzte Skandal um SchülerVZ und dem Hacker Matthias L., der sich vor wenigen Wochen im Gefängnis das Leben nahm.
Daten über Daten Doch auch ohne deine Einwilligung werden heute Daten über dich erhoben und gespeichert. Staatliche Melderegister, die Univerwaltung oder deine Krankenversicherung haben große Datenbanken. Die besondere Gefahr liegt hier in der nicht mehr durchschaubaren Vernetzung der einzelnen Datenbanken. Während es früher aufwändiger Recherche bedurfte, um über einzelne Menschen etwas herauszufinden, sind diese Informationen in Zeiten der zentralen Datenverwaltung sehr viel einfacher zugänglich. Es braucht nicht viel Phantasie um sich vorzustellen, wie sehr sich Unternehmen z.B. über Auszüge aus dem StudentInnenregister der RUB freuen würden, um Studierende einzelner Fachrichtungen gezielt Werbung zukommen zu lassen. Dass Datensätze tatsächlich verschwinden und missbraucht werden, belegen die zahlreichen Schlagzeilen um die Telekom, Lidl, Bahn und Co. Ungeahnte Möglichkeiten bieten diese Entwicklungen den staatlichen Strafverfolgungsbehörden, denen bspw. durch die Vorratsdatensammlung neue Datenquellen zur Verfügung stehen. Der „gläserne Bürger“, über den der Staat nahezu alles weiß, ist technisch nicht erst seit gestern realisierbar. Darüberhinaus ist es höchst zweifelhaft ob die präventive Datensammlung in einem sozialen Rechtsstaat der freien und unverdächtigen Individuen vertretbar ist.

RSS