Linke Liste

an der Ruhr-Universität Bochum

»Der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein.«

B. Brecht

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9.September2010

Offener Brief an die Soziale Liste Bochum

Schlagworte: Antifa // Grund- und Freiheitsrechte


Liebe Mitglieder und AktivistInnen der Soziale Liste,

da wir zufällig auf den Auftritt der Band „Die Bandbreite“ im Rahmen eures Kulturfests am kommenden Samstag, den 11.09. aufmerksam geworden sind, möchten wir euch in diesem offenen Brief eindringlich bitten, diesem Hiphop-Duo keinen Raum für ihre verschwörungstheoretische Ideologie zu bieten.

Die Band hat sich in der Vergangenheit in vielerlei Hinsicht von jedem linken Grundkonsens entfernt und bringt ihre extrem problematischen Ansichten in ihren Songtexten zum Ausdruck: Frauen wird in den Texten nur eine einzige Rolle zugestanden – als fleischgewordene Objekte des Verlangens heterosexueller Männer. Der Song „Eingelocht“(1) ist eine kaum verhüllte Vergewaltigungsphantasie, in der sich die zwei Sänger über eine Frau hermachen, die das so nicht will, aber für ihren Ungehorsam brutal „bestraft“ wird.(2) In einem anderen Song wird Schwulsein als defizitär dargestellt.(3)

Eine kleine Kostprobe aus „Eingelocht“: „Ne, ne, es tut dir weh, doch wir warten nich / wo ich doch so selten ma n harten krich / du bis nich artig und jetzt kommt deine Strafe / du kanns nicht erwarten, datt ich zärtlich mit dir schlafe.“

Besonders problematisch ist eine Einladung der „Bandbreite“ jedoch am 11. September: In ihrem Song "Selbst gemacht"(4), der nach eigener Aussage im Mittelpunkt des Schaffens der Band steht, wird versucht, vermeintliche Widersprüche des Untersuchungsberichtes über die Anschläge von 9/11 aneinanderzureihen. Aus diesen wird der Schluss gezogen, dass die terroristischen Angriffe von der US-Regierung verübt wurden, um als Vorwand für einen imperialistischen Krieg herzuhalten. Nach dem gleichen Schema verbreitet das Duo wirre Verschwörungsmutmaßungen über den Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg: Der japanische Angriff auf Pearl Harbor 1941 sei von den Vereinigten Staaten selbstständig in Szene gesetzt worden, um einen Vorwand für den Einstieg in die militärischen Auseinandersetzungen zu schaffen.

Angesichts dieses Weltbilds verwundert es nicht, dass „Die Bandbreite“ immer öfter auf Nazi-Websites vorgestellt und wohlwollend kommentiert wird. Die Band kokettiert zwar immer wieder mit antifaschistischer Symbolik und entsprechenden Statements - wie wenig authentisch dies jedoch ist, zeigt sich u.a. daran, dass sie 2007 der Rechtsaußen-Zeitschrift Junge Freiheit, die auch die gesamte erste Strophe von „Selbst gemacht“ in einem Artikel zitierte(5), ein Interview(6) gegeben hat. Nach der Veröffentlichung des Videos zu "Selbst gemacht" freuten sich die Betreiber zahlreicher neonazistischer Internet-Seiten über die Propaganda und trugen sie bereitwillig herum.(7)

Aufgrund der sexistischen und verschwörungstheoretischen Songtexte und der Anschlussfähigkeit der „Bandbreite“ nach Rechtsaußen finden wir es unmöglich, dass eine sich selbst als „links“ verstehende Gruppe wie die Soziale Liste einer solchen Band eine Plattform bietet. Dass ausgerechnet am Jahrestag von 9/11 ein Auftritt mit einer Band stattfinden soll, die diese Ereignisse als „selbst gemacht“ betrachtet, stößt besonders bitter auf. Das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen wird verhöhnt und als Kollateralschaden im Zuge der amerikanischen Weltverschwörung dargestellt.

Wir möchten die Soziale Liste mit Hinblick auf die in diesem Brief vorgebrachten Argumente darum bitten, den Auftritt der „Bandbreite“ am kommenden Samstag abzusagen.

Mit solidarischen Grüßen,

Die Linke Liste an der Ruhr-Universität Bochum

1 http://www.musicload.de/search.ml?s...

2 http://vollebandbreite.blogsport.de/

3 http://diebandbreite.de/index.html?...

4 http://www.youtube.com/watch?v=fJXf...

5 http://www.diebandbreite.de/presse/...

6 http://www.esowatch.com/ge/index.ph...

7 http://www.derwesten.de/staedte/dui...